Weinen, schreien, lachen.

Ich hätte nie gedacht, dass Trauer so viele Gesichter hat. Am liebsten ist mir, wenn sie in Form von Wut daherkommt. Wut darüber, was man verloren hat und was man nie wieder in dieser Form haben wird. Wut darüber, was einem passiert ist, obwohl man doch weiß, dass das Leben niemanden ausspart. Die einzige Möglichkeit, meiner Trauer zu begegnen, ist sie zu umarmen, auch wenn ich sie manchmal nicht sehen möchte, weil sie einen in den eigenartigsten Momenten überfällt. Beim Kochen, beim Lachen, im Bett, auf der Straße, in der Arbeit. Das letzte Jahr war sehr hart für mich, denn ich habe mein Leben verloren und wiedergewonnen. In manchen Momenten habe ich mich selbst darüber gewundert, wie viel Tränen ein Mensch überhaupt produzieren kann. Und es gab Momente, da spürte ich tiefes Glück darüber, dass ich es überlebt habe. Nun kommt sie nicht mehr so oft, die Trauer, nur wenn sie das Gefühl hat, da gibt es noch was, worüber wir beide sprechen müssen, meine neue Freundin und ich. Am liebsten ist ihr, wenn ich sie sein lasse. Einfach da sein. Dann schauen wir uns gegenseitig an und schweigen, wie ein alterndes Ehepaar, das sich nunmehr ohne Worte versteht. Wenn sie aber fühlt, sie ist ein ungebetener Gast, dann wird sie bodenlos und unberechenbar. Dann spielt sie Kräftemessen mit mir und gewinnt fast immer. Eigentlich hat sie recht, die Trauer, wer bin ich, sie davonzujagen? Sie möchte mit mir sein, genauso wie meine Freude und mein Glück.

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